Eindrucksvolle Lobbyarbeit durch Wolfgang Clement, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister
oder auch verantwortungsloses “dummes Geschwätz”
  

Recht einfach macht es sich Wolfgang Clement bei vielen Themen seiner Vortragsreisen durch die Republik. In wohlverpackten Worten referiert er bekannte Statements, die auch in Stellungnahmen gewisser Konzerne sowie Arbeitgeberorganisationen gang und gebe sind.

Welche Interessen Herr Clement dabei vertritt, lässt sich schon an seiner abrupten Abkehr von seiner ehemaligen Partei, damit von seinen Wählern, die ihm zu seiner Ministerkarriere verholfen haben, und nach seinem direkten Wechsel vom Bundesminister für Wirtschaft zum Energiekonzern RWE erahnen.

Ist Clements Forderung nach mehr Geld für die Bildung noch uneingeschränkt zu bejahen, liegt er bei vielen seiner weiterer Thesen und Forderungen, zumindest was das Gemeinwohl und die Interessen der „normalen“ Bevölkerung betrifft, wirklich weit daneben.

Mit seiner Unterstützung aus dem Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomenergie; Zitat: „Wir können es uns nicht leisten, auch nur eine einzige Option bei der Energieversorgung außen vor zu lassen“ leistet er unverantwortliche Lobbyarbeit für die Energiekonzerne, die dadurch Milliarden Gewinne erwarten, allerdings massiv zu Lasten aller nachfolgenden Generationen und des Lebens auf unserem Planeten.

Mit seiner weiteren Bemerkung:

„Ich habe auf der Fahrt hierher viele Solaranlagen auf Dächern gesehen. Wirtschaftlich betrachtet ist das Unfug, es sei denn, man ist der Hausbesitzer. Der erhält 40 Cent pro eingespeister Kilowattstunde und bezieht seinen Strom dann für die Hälfte“, erkennt jeder einigermaßen Mitdenkende sofort, worum es ihm und seinen Auftraggebern geht.

Kurzfristige Gewinne erzielen, koste es was es wolle, ohne Rücksicht auf die Folgen.

Er und seine atomfreundlichen Lobbyisten behindern, zumindest verzögern damit die Entwicklung und den Ausbau regenerativer Energien, sie drücken sich sogar davor, um möglichst für viele Jahre nicht in Neuentwicklungen investieren zu müssen.  

Betrachten wir die Atomenergie und bedenken, dass hier Abfallprodukte entstehen, die massiv strahlen und zwar für Hunderttausende, ja Millionen von Jahren, dann ist die Forderung nach Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke einfach unverantwortlich, im höchsten Maße verantwortungslos, denn jedes Kilogramm Atommüll mehr, ist ein Kilogramm zu viel.

Eine Menschheit, die sich gerade mal knapp über 10.000 Jahr zurückverfolgen lässt, davon knapp 250 Jahre Technikzeitalter, maßt sich an, diese Jahrmillionen strahlender Abfallprodukte zu beherrschen.

Denn alle bisher geplanten Endlagerungsmöglichkeiten haben sich seither als Phantasie, als ungeeignet herausgestellt und es wird auch künftig keine Lösungen geben, die Millionen Jahre, bis zum endgültigen Abbau der gefährlichen Substanzen, standhalten.

Atomkraftwerke mögen bei uns vielleicht sogar einigermaßen sicher sein, zumindest genau so sicher wie unsere Flugzeuge oder Weltraumraketen, die allerdings trotzdem abstürzen bzw. explodieren, weil z.b. ein Höhenmesser nicht richtig funktioniert, oder in der Raumfahrt eine kleine Kachel am Hitzeschutzschild beschädigt ist.

Aber Atomkraftwerke sind ja laut Betreiber, Wolgang Clement und unserer neuen Regierung ja absolut sicher und erhaben, sind sie es wirklich?

Bisher hat der Umgang mit dieser Energie und ihrer Folgelasten jedenfalls jede Menge Pleiten hervorgebracht. Asse und Morsleben sind beste Beispiele dafür, wie fahrlässig und verantwortungslos mit diesen hochgefährlichen Abfällen bisher umgegangen worden ist.

Auf die Gefahr geologischer Veränderungen in den künftigen Endlagerstätten, in einem Zeitraum  von Millionen Jahren darf hier ebenfalls hingewiesen werden.

Denken Sie werter Leser, unsere heutigen Städte, unsere Bauwerke, die Kulturen dieses Planeten, auf die wir so stolz sind, die Pyramiden von Gizeh sind z.B. ca. 4.500 Jahre alt, werden in beispielsweise 500.000 Jahren noch irgendwie existieren oder erkennbar sein? Sicher nicht, denn der Zahn der Zeit nagt schon jetzt gewaltig an diesen Wunderwerken aus dieser Frühzeit der Menschheit. Von den Werken der Neuzeit gar nicht zu reden, diese sind bereits meist nach 20-30 Jahren sanierungsbedürftig, siehe auch die skandallösen Zustände beim Zwischen-, Endlager Asse.

Sicher ist lediglich, dass unsere nuklearen Hinterlassenschaften auch nach diesen mindestens strahlenden 500.000 Jahren immer noch Hunderttausende Jahre weiter existieren, weiterhin massiv strahlen und diesen Planeten Erde vergiften und verseuchen – und das alles für den sogenannten Wachstum unserer Tage.

Selbst die Behauptung, Atomenergie sei billig, ist schlichtweg falsch, denn gerade das Problem der Endlagerung ist nahezu vollständig auf den Steuerzahler abgewälzt. Bei einem Gau müssen die Versorger nicht einmal haften, denn auch diese Haftung haben willige Vorgänger-Regierungen den Konzernen abgenommen.

Die betroffene Bevölkerung wird dann ganz alleine den Schlamassel ausbaden müssen, soweit sie diesen überhaupt überleben wird. Hier lässt Tschernobyl und seine von der Welt vergessenen Opfer grüssen.

Hauptsache unser Wachstum und die Rendite boomen

Die Lichter gehen auch nicht aus in unserem Land, wenn die Atomkraftwerke ausgeschaltet sind, das ist einfach ein Märchen der Atomlobby, vertreten durch Wolfgang Clement und leider auch der neuen Regierung, die jetzt den Ausstieg vom Ausstieg in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen hat..

 

Es geht hier, wie bei so manch anderem in unserem Land, einfach um Renditen.

Und weil die Atommüll-Entsorgung darüber hinaus eine Monopolvergabe des Staates an die Energiekonzerne ist, ist dies für die Konzerne geradezu eine Lizenz zum Gelddrucken.

 

Untersuchen wir weitere Aussagen des ehemaligen Bundesministers, zum Beispiel die Forderung nach längeren Lebensarbeitszeiten. Auch hier muss man leider sagen, gut gebellt Herr Clement.

Fakt ist leider in unserer Republik, dass immer mehr Menschen über 50 in die Arbeitslosigkeit entsorgt werden und keine Chance auf einen neuen Job haben. Vielfach sind die älteren Mitarbeiter den Firmen einfach zu teuer und man ersetzt sie durch staatlich legitimierte Billigstjobber, denn Mindestlöhne werden den Menschen ja ebenfalls verweigert. Beispiele hierfür gibt’s jede Menge.

Die Folgen für die zwangsweise Entsorgten Menschen: Maximal 18 Monate Arbeitslosengeld, dann Hartz IV, das aber nur dann, wenn vorher nahezu alle Lebensleistungen dieser Menschen aufgebraucht sind. Die Zeit bis zur Rente mit 67 ist lang, unendlich lang und frühzeitige Verrentung, aus welchen Gründen auch immer, bedeutet wieder Abschläge und spart natürlich Geld und damit auch den Konzernen Beiträge zur Rentenversicherung.  Darauf kommt es deren Interessenvertretern an, auf die Rendite.

Und Rendite nimmt keine Rücksicht auf Menschenschicksale, schon gar nicht auf Menschenrechte.

 

Clement fordert weiter den Abbau der Subventionen für die Landwirtschaft.

Warum eigentlich keine Subventionen für die Landschaft und trotzdem Milliarden Subventionen für die Kraftwerksbetreiber. Warum Milliarden Subventionen für gewisse Banken, die dann ihren Managern Millionen Boni für ihre Misserfolge zahlen.

 

Wolfgang Clement referiert in geschickter Wortwahl einseitig, zum Wohle seiner Auftraggeber und wohl auch zu seinem eigenen Vorteil, jedoch nicht zum Wohle der breiten Bevölkerungsschicht.

Wolfgang Clement ist Lobbyist des Energiekonzerns RWE, das sollte beim Applaudieren seiner Vorträge nicht vergessen werden.

 

Der veranstaltenden Raiffeisenbank kann man nur raten, die Interessen ihrer Kunden und Mitglieder nachhaltig zu vertreten, denn die Kunden dieser Bank sind zum größten Teil Betroffene und eben nicht Profiteure, wenn die vorgetragenen Thesen des Herrn Clement realisiert werden sollten.

 

Clement entlarvt sich selbst als Erfüllungsgehilfe der Energiekonzerne, nicht nur in der Scherenberghalle in Gemünden a. Main, sondern in all seinen Kommentaren der vergangenen Monate. Er ist mit Sicherheit kein geeigneter Partner für eine Genossenschaftsbank, schon gar nicht für deren Kunden.
 

Herr Clement sollte weiterhin Bahn fahren und seine Atomkraftwerke und die Energien der Zukunft, die regenerativen Energien der Naturkraftwerke, Sonne, Wind, Wasser und alles was die Natur sonst noch an unschädlichen Energien freigibt, aufmerksam besichtigen.

Vielleicht wird er dann im "Alter" noch weise  und unterlässt sein dummes, verantwortungsloses Geschwätz!

 

LK, Okt. 2009